This text was published in Fall 2023

Fort sind die Wildgänse. Das Gewässer hinterm Haus haben sie schon längst verlassen, nämlich nachdem der Nachwuchs erwachsen geworden war. Ob sie sich allerdings der großen Migration in die Winterquartiere angeschlossen haben oder in der Nähe am nicht zufrierenden größeren See überwintern, ist nicht herauszufinden. Vielleicht kommen die mir liebgewordenen und identifizierbaren Gänse, wie Friedrich oder Lordy und Lady, ja im Frühjahr wieder.

Die Frösche und Schildkröten jedoch haben sich unter Wasser verdünnisiert, um die nächsten Monate mit stark heruntergefahrenem Metabolismus in einer Art Winterschlaf zu verbringen. Entgegen landläufiger Meinung graben sich viele Arten, u.a. auch die im Wasser hinterm Haus, allerdings nicht in den Schlamm, denn sie atmen durch ihre Haut und würden den arg begrenzten Sauerstoffvorrat im Schlamm sehr schnell aufbrauchen. Sie bleiben daher zwar unterm Eis, aber in Tiefen, wo das Wasser noch fließt, damit sie atmen können.  Andere Arten, wie z.B. Kröten, graben sich in die noch nicht gefrorene Erde an Land bis unter die Frostgrenze und bleiben dort bis zum Frühling. Es gibt aber auch Frösche, die buchstäblich zu Eis erstarren: Laubfrösche und Waldfrösche überwintern in Laubstreu oder unter Holzresten und Baumrinde – an Orten, die vor eisigen Temperaturen nicht wirklich isoliert sind. Ab einer Temperatur von etwa -5 ° C bilden sich winzige Eiskristalle in ihrem Körper, die etwa 40% des Körperwassergehalts einfrieren. Schildkröten hingegen sind trotz verlangsamtem Metabolismus nicht den ganzen Winter über völlig unbeweglich! Lethargisch zwar, aber nicht schlafend. Solche, die in Gewässern mit Sauerstoff überwintern, bleiben am Boden derselben und haben so Zugang zu mehr Sauerstoff und wärmeren Temperaturen, als sie näher an der Oberfläche zu finden wären. Schildkröten haben spezifisches Gewebe in ihren Schwänzen, das es ihnen ermöglicht, auch während der Winterstarre Sauerstoff aufzunehmen (Kloakenatmung). 

Jetzt, an der Schwelle zum Winter, kann es vorkommen, dass man kleineren oder größeren Schildkröten begegnet, die auf der Suche nach einem passenden Quartier für die froststarrenden Monate eine Straße überqueren wollen und sich damit in Lebensgefahr begeben. Ihnen sollte geholfen werden, übrigens zu allen Jahreszeiten.

Bevor nun auch das letzte farbenfrohe Blatt vom Baum gesegelt und das letzte Grün von weißem Niederschlag bedeckt ist, tut es wohl, den eben vergangenen Sommer noch einmal Revue passieren zu lassen. Denn vieles war gut, manches nicht, anderes verbesserungswürdig. Man hat viel gelernt, was Gemüseanbau betrifft und sich vorgenommen, es im nächsten Jahr besser zu machen. Aber so weit voraus zu planen birgt momentan vielleicht das Risiko, dann doch nicht durchführbar zu sein. Aus Myriaden von Gründen geopolitischer, verordnungstechnischer oder persönlicher Natur. 

Die Ernte war recht gut, vor allem der Salat schenkte sich über viele Sommerwochen hinweg immer wieder neu. Die Paprika wuchsen gut bis in den Frühherbst hinein, dann war ihr Bedarf an Sonnenlicht größer als dessen Verfügbarkeit. Den Tomaten war der Sommer entschieden zu nass und die 8 kg Sauerkirschen reichten nicht an die vorjährige pralle Ernte von fast 20 kg heran. Dennoch sorgten die Sauerkirschen für viele Kuchen, viel Marmelade und Kompott und nicht zuletzt für ein ordentliches Maß an Wein. Die reichliche Beerenernte mündete in die Herstellung von vielen Flaschen köstlichsten Likörs: aus schwarzen Johannisbeern und Stachelbeeren, aus roten Johannisbeeren, aus Himbeeren. Dieser Vorrat wird sicher nicht nur diesen Winter für wohlige innere Wärme sorgen.  
             
Bitter war der Abschied von meinem kleinen Vögelchen. Die herzzerreißenden epileptischen Anfälle, denen es seit Monaten anheimfiel, verschlimmerten sich und schwächten das kleine Herzchen so sehr, dass es erlöst werden musste. Der Tierarzt hat ihn eingeschläfert während ich ihn, der schon bewegungsunfähig war, in der Hand hielt und ihm gut zusprach. Er hat so tapfer bis zur letzten Minute gekämpft, aber  trotz aller Bemühung gab es keine Rettung mehr. Ruhe sanft, kleiner Benz, unterm Kirschbaum. Dein fröhliches Lärmen, dein kluges Köpfchen, dein unerschütterliches Selbstbewusstsein und dein lustiges Wesen haben mir neun Jahre lang das Herz erwärmt, mich erheitert, getröstet und begleitet.     

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