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Von saftigen Pfirsichen, europäischer Kultur und samtweichem Wasser   
Published on 5/1/23 5:32 PM   

Was haben farbenfrohe Sommerpullis, Pepsi Cola, die Daily News, und saftige Riesenpfirsiche gemeinsam? Auf des Rätsels Lösung könnte nur jemand kommen, der zu DDR-Zeiten Kind war und Teile der Sommerferien im Paradies verbringen durfte. Das Paradies zu jener Zeit war Ungarn, speziell der Balaton, zu Deutsch der Plattensee. Denn dort war all das in Hülle und Fülle vorhanden, was man als DDR-ling allenfalls aus Westpaketen kannte, die zu Geburtstagen oder zu Weihnachten verlässlich eintrafen und das ganze Jahr über vorfreudig erwartet wurden.   

Die Sonne an den Badeorten am Balaton schien heller, man atmete freier, man konnte als Einsteiger in den fremdsprachlichen Englischunterricht doch tatsächlich westliche Zeitungen lesen, wie eben die Daily News, täglich frisch gedruckt für die des Ungarischen nicht mächtigen außerdeutschen Touristen und Vorläuferin der erst 2013 neu erstandenen Zeitung gleichen Namens, aber unterschiedlicher Ausprägung.   Welch unerhörter Luxus! 

Genau wie die sommerlichen Märkte in den Badeorten rings um den See, vor allem in Siofok, wo man herrlich bunte Pullover kaufen konnte. Und modisch waren sie noch dazu.   Es gab italienisches Gelato, und in Ausübung besonders westlich angehauchter Balatondekadenz kaufte man sich eine – nach DDR-Maßstäben teure - Flasche Pepsi, denn mit der Konkurrenz hatten die Ungarn damals offenbar keinen Vertrag. Aus heutiger Sicht und im Abstand von vielen Jahrzehnten ist es zwar recht unverständlich, dieses karbonisierte Zuckerwasser so begehrenswert finden zu können, aber damals war es der Inbegriff von Freiheit und Sommerferienfreude in der „attraktivsten Baracke des sozialistischen Lagers“. 

Auf den Märkten bogen sich die Verkaufstische unter erntefrischem Obst und Gemüse, und die dort genossenen, super saftigen, weißfleischigen großen Pfirsiche wurden der Standard, gegen den ich noch heute jedes Exemplar dieses Obstes messe. 

Dies alles verblasste allerdings hinter der Möglichkeit, am Balaton westliche Menschen quasi in freier Wildbahn zu begutachten, gar mit solchen sprechen zu können, mit ihnen Spaß zu haben und Freundschaften zu schließen und dabei festzustellen, dass die deutsche Sprache ungeahnte oder komplett unverständliche Varietäten birgt. 

Vor allem, wenn man den besonders zahlreich vorkommenden kuriosen Österreichern begegnete, die in im Osten nie gesehenen Autos anreisten und in einem naiven DDR-Schulkind den – falschen - Eindruck erweckten, ungeheuer reich zu sein. 

Seither mag sich viel geändert haben, aber eins ist mit Sicherheit gleich geblieben und sogar gewachsen: der Balaton als beliebter Urlaubsort, vor allem für Deutsche oder Deutschsprachige. Mit einer Fläche von 594 km² (58 km² mehr als die des Bodensees) ist der Plattensee mit seinem tatsächlich samtweichen Wasser das größte Binnengewässer Mitteleuropas. Er hat eine charakteristisch geringe Tiefe von durchschnittlich nur 3,25 m. Seine tiefste Stelle misst ganze 12,5 m. Er wird nach Süden hin tiefer, während man am Nordufer oft lange durch schilfbestandenes Wasser watet. 

Die gesamte Balatonregion, insbesondere aber die Stadt Veszprém, 15 km nördlich des Sees gelegen, fungiert heuer als die dritte im Bunde der Europäischen Kulturhauptstädte von 2023. Über Veszprém liest man auf den Seiten von www.wirreisenwieder.at Folgendes: 

Majestätisch thront die Stadt Veszprém mit der charakteristischen mittelalterlichen Burg auf der Hügellandschaft unweit des  Balaton, eingebettet in das Outdoor-Paradies Bakonywald, die beliebte Weinregion Balaton-felvidék und die ungarische Tiefebene von Mezőföld. Sie ist nicht nur Ungarns höchstgelegene Provinzhauptstadt, sondern auch eine der ältesten und bedeutendsten Städte des Landes. Denn dem Erzbischof von Veszprém oblag es im Mittelalter, die ungarischen Königinnen zu krönen - wie etwa die bayerische Herzogstochter Gisela, die mit ihrem Ehemann  König Stephan dem Heiligen als das erste royale Paar in die Geschichte Ungarns einging. Gisela liebte die Stadt, und die Gründung der Basilika ist eng mit ihrem Namen verbunden. Außerdem ist Veszprém Universitätsstadt.  Das hat der Stadt schon seit dem Mittelalter neben Tradition auch junges, modernes Leben beschert. „In den vergangenen Jahren hat sich in Veszprém eine bunte Lokalszene etabliert,” erzählt Balázs Kovács. Wer durch Veszprém spaziert, genießt hier die entspannte Atmosphäre mit internationalem Touch.“     

Das Städtchen oder "Die Stadt der Königinnen" mit heute etwa 60,000 Einwohnern konnte sich gegen die nationalen Konkurrenten Debrecen und Györ siegreich behaupten. Es glänzt mit einem gemütlich anmutenden barocken Kern, ist am Rand des Bakony-Waldes auf fünf Hügeln angelegt und war bislang durch seine zahlreichen Musikveranstaltungen auch überregional bekannt. 

Diesen kulturellen Aspekt möchte man nun mitsamt dem kulinarischen und vor allem dem vinikulturellen stark ausbauen: am hügeligen Nordufer des Balatons baut man so manchen Spitzenwein an, vor allem solche aus der Welschriesling-Traube. 

  Insgesamt erliegt man rings um den Balaton leicht und seit jeher dem zeitlosen Charme einer uralten Kulturlandschaft, deren administrative Dirigenten sich jetzt vereint eine mehrsträngige Neuausrichtung dieser „Erlebnisregion“ verordnet haben: von verstärkter Innovation und Digitalisierung und Weiterentwicklung zur „familienfreundlichen Destination“ über nachhaltige Landschaftsprojekte und „verstärktem Dialog der verschiedenen Kulturen und Volksgruppen“ bis hin zum Ausbau der Gesamtregion zur „Ganzjahres-Destination mit Kultur-und Genussprogramm in allen Jahreszeiten“. 

Man möchte also die schwankenden Touristenströme, die fast ausschließlich in den Sommermonaten fließen, ganzjährig einhegen, wobei man eben auf kulturelle Attraktionen setzt. 200 spezielle Projekte und 3,000 Veranstaltungen im Jahr 2923 sollen dies ermöglichen. Bei vielen und immer mehr Deutschen rennt man damit bereits offene Türen ein, denn seit dem Mauerfall hat sich der Balaton als relativ nahegelegenes Ziel sommerlicher Badefreuden eher verstärkt empfohlen, und das 6000-Einwohnerstädchen Héviz etwa 6 km nordwestlich des Plattensees nahe Keszthely ist schon seit römischen Zeiten auch und vor allem im Winter ein Besuchermagnet mit ca. 900,000 Heilung suchenden Touristen jährlich.   

Héviz liegt am gleichnamigen größten natürlichen Thermalsee der Welt. Dieser See umfasst 4,6 ha und wird von einer schwefel-, radium- und mineralhaltigen Quelle aus 38,5 m Tiefe mit einer Aufstiegstemperatur von 40°C gespeist. Sein Wasser tauscht sich innerhalb von 72 Stunden vollständig aus. Es ist gleichermaßen reich an gelösten wie gasförmigen Stoffen und vereint die wohltuenden Eigenschaften von kohlensäure-, schwefel-, kalzium-, magnesium- sowie bikarbonathaltigem Heilgewässern. Die Oberflächentemperatur liegt auch im tiefsten Winter nie tiefer als 23°C und im Sommer bei etwa 36°C. Sowohl mit dem Schlamm als auch dem Wasser des Sees lassen sich die verschiedensten Zipperlein nachweislich heilen, allerdings wird beim Baden empfohlen, sich nur maximal 30 Minuten am Stück vom warmen Wasser umspülen zu lassen.

 Abseits all dieser und vieler anderer kulturhauptstädtisch begründeter staatlicher Anstrengungen, insbesondere die Balatonregion besser in den Fokus positiver internationaler Aufmerksamkeit zu rücken, wird diese Gegend zunehmend zur neuen Heimat von immer mehr Deutschen, die ihrem Geburtsland den Rücken kehren und sich in Ungarn in der Hoffnung auf ein politisch und bürokratisch freieres, finanziell günstigeres, von ursprünglichen Europäern geprägtes Leben permanent ansiedeln. 

77 Jahre nach Beginn der brutalen Vertreibung der seit mehr als 200 Jahren in etwa 800 deutschen Dörfern Ansässigen kehren diese, bzw. ihre Nachkommen oder andere Landsleute, nach Ungarn zurück, völlig ungeachtet der wirtschaftlichen Probleme, die dem Land unter Victor Orbán auch aufgrund seiner zunehmenden Isolation von der EU aufgezwungen werden. Deutsche stellen die größte ethnische Gruppe in Ungarn mit derzeit etwa 250,000, davon etwa 40,000 neue deutsche Einwanderer mehrheitlich ohne ungarischen Pass. 

Die langjährigen Ungarndeutschen werden unter der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) verwaltet. Bei der Parlamentswahl in Ungarn von 2018 erreichte die aufgestellte Liste der LdU ausreichend Stimmen für ein Parlamentsmandat, und der Ungarndeutsche Emmerich Ritter wurde Vertreter der Ungarndeutschen im Parlament. 

Die neuerdings und derzeit einwandernden Deutschen sind mehrheitlich Rentner und konservativ. 2021 überwies die Deutsche Rentenversicherung 5398 Empfängern ihre Bezüge nach Ungarn, fast 25 Prozent mehr als noch fünf Jahre vorher, Tendenz steigend. 
Die Neusiedler profitieren von vielerorts noch erschwinglichen Immobilienpreisen, niedrigen Steuern und Lebenshaltungskosten bei guter medizinischer Versorgung. 

Das Preisniveau in Ungarn liegt laut Statistischem Bundesamt um 42 Prozent niedriger als in der Bundesrepublik. Die Quadratmeter­preise sind mittlerweile allerdings bereits um 10 bis 20 Prozent gestiegen. Die Familien der neuen Umsiedler, sofern sie noch in Deutschland leben, werden wie eh und jeh nach der Ferienreise vom Wetter, vom freieren Atmen, von der schönen Landschaft, von der legendären ungarischen Küche samt ihren guten Weinen und nicht zuletzt von den eingangs erwähnten saftigen Riesenpfirsichen schwärmen, nachdem sie sorgendurchfurcht ins mehrheitlich tristere Deutschland zurückgekehrt sind – in ein Land, in dem die Altersarmut alarmierende Ausmaße annimmt.   
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