Die Italienische Reise I

Die Italienische Reise I

Monday, April 13, 2026

Der erste Tag in Rom

Die Ankunft in Rom am 13. April morgens weckt die Lebensgeister wieder zu voller Funktionstüchtigkeit nach dem langen, einschläfernden und trotzdem schlafraubenden Überseeflug in der proppenvollen Boeing von Air Canada. Bei denen ist man ja dubiose Verpflegung an Bord gewöhnt, aber diesmal ist bereits der erste Bissen Würgereiz auslösend.

Während sich sämtliche Passagiere vor der Passkontrolle für Nicht-EU-Angehörige  zusammenballen, fertige ich mich selbst als Einzige mit EU-Pass in Sekundenschnelle elektronisch ab und bin alsbald bei der Gepäckausgabe. Der Gang durch die Hallenfluchten von Fiumicino ist zwar lang, aber erheblich angenehmer als in Montreal, was einerseits am freundlicheren, sehr viel attraktiveren Ambiente und andererseits sicher auch daran liegt, dass man sich im Urlaub befindet, im vielgeliebten Italien.

Aber wie kommt man am günstigsten und schnellsten in die Stadt? Ich nehme den Direktbus. Keine gute Wahl. Man spart sich viel Stress, langes Anstehen in Touristenmengen und die Stimmungsschwankungen italienischer Busfahrer, ganz zu schweigen von Verkehrsstaus auf Autobahn und Innenstadt, wenn man ein paar Euros mehr ausgibt und in den „Leonardo Express“ steigt, den Zug, der in kurzen Abständen zwischen Fiumicino und Termini hin- und herfährt.

Man vergisst vieles, wenn der letzte Rom-Besuch schon 15 Jahre zurück liegt. Anderes hat sich geändert und verändert.

Positiv an der Busfahrt: man sieht mehr von der Umgebung. Die Autobahn zur Stadt ist pfeilgerade und es gibt keine Schlaglöcher. Das fällt dem Montrealer Autofahrer, der sich in steter Sorge um den Zustand seines Autos und seiner Wirbelsäule im Slalom über die dicht durchlöcherten Highways bewegen muss, sofort als erstes ins Auge.

Termini, der Hauptbahnhof im Zentrum, ist lichtdurchflutet, sauber, mit sehr vielen guten Geschäften, Snackbars, Restaurants, übersichtlichen, elektronischen Anzeigetafeln quasi in allen Ecken und ausgesprochen freundlichem Personal. Jetzt im April halten sich die Touristenmassen noch in erträglichem Rahmen, hier wie überall in Rom.

Es nieselt leise bei allerdings sommerlichen Temperaturen, und den Rollenkoffer hinter mir herziehend, navigiere ich meinen Weg über nasses Kopfsteinpflaster bis ins Hotel. Hier kommt zum erstenmal mein zu diesem Zeitpunkt noch eher rudimentäres Italienisch zum Einsatz. Denn der Besitzer des klitzekleinen, aber optimal gelegenen Hotels im 3. Stock Hinterhof versteht, nun ja, nur Bahnhof auf Englisch, sieht aber aus wie der eineiige Zwilling von Norman Bates in „Psycho“. Also nur schnell Phone aufladen, frisch machen und nix wie weg, raus ins volle römische Leben. Zuerst laufe ich zum Trevi-Brunnen, der erwartungsgemäß umlagert ist. Gegen einen Obolus von 2 Euro kann man, wie im Zirkus, nach etwas Anstehen hinter die schmiedeeiserne Absperrung direkt an den Brunnen gehen, was ich mir aber erspare. Hier erlebe ich also eine der oben erwähnten Änderungen, denn bei meinem ersten Besuch konnte man noch frei und ungezwungen direkt an den Brunnen treten, die Hand im Wasser spielen lassen oder, so wie ich damals, auf dem Brunnenrand sitzend die Füße ins türkisfarbene Nass tauchen und ohne uniformierte Aufpasser die imposanten, barocken Figuren des Oceanos und seiner allegorischen Begleiterinnen, der Fruchtbarkeit und der Gesundheit, auf sich wirken lassen. Heute ist eine solche Annäherung selbst auf dem kostenpflichtigen Rundumpfad mit Strafe belegt.

Jedenfalls hatte die Münze, die ich damals über den Kopf ins Brunnenwasser warf, die erwünschte Wirkung, nämlich meine Rückkehr in diese Stadt, die  einer meiner Sehnsuchtsorte wurde und trotz arg veränderter Gegebenheiten wohl auch immer bleiben wird.

Um den Trevi-Brunnen, das berühmteste barocke Monumentalbrunnenbauwerk der Welt, und nicht nur den, weitgehend ungestört bewundern zu können, wird empfohlen, morgens kurz vor Sonnenaufgang hinzupilgern, was ich mir für den nächsten Rom-Besuch vornehme.

Die Fontana di Trevi, das Meisterwerk des Architekten Nicolo Salvi und errichtet 1732 bis 1762, ist der Endpunkt des antiken Aquädukts Aqua Virgo (Acqua Vergine)  und seit 19 v. Chr. ununterbrochen in Betrieb!

Weil ich diesmal nicht so viel Zeit habe, kaufe ich mir anschließend eine Fahrkarte für die hop on/hop off- Stadtrundfahrt, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zumindest im Vorüberfahren wiederzusehen. Dabei trübte sich der Himmel ein, ein regelrechter Sturm zog auf, und nach Ausstieg aus dem Bus prasselt ein ordentlicher Platzregen hernieder, der mich hinter der Piazza della Repubblica in eine glasüberdachte, marmorgetäfelte und mit marmornem Fußboden ausgestattete Einkaufspassage flüchten und dort ein absolut fabelhaftes Café in der an fabelhaften solchen wahrhaftig nicht armen Stadt finden läßt.

So stolpere ich über das älteste sizilianische Café in ganz Rom - La più antica pasticceria siciliana a Roma – das Café Dagnino. Welch ein Glückstreffer! Es ist mit zwei Stockwerken und zwei verschiedenen Innenbereichen, nämlich einer Konditorei und einem richtigen Café, ziemlich groß, aber sehr stilvoll und nicht zu teuer. Einladend und akuten Appetit induzierend präsentieren sich die vom geliebten Sizilien her schon bekannten konditorischen Leckereien. Und beim Caffè corretto, in der lichtdurchfluteten und zu diesem Zeitpunkt spärlich besuchten Passage genossen, lässt sich das Ende des warmen Regens draußen auf der Piazza ganz entspannt erwarten. Ich bin angekommen.

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